Ponyplay!

Gestern war also der große Ausritt! Um 12 Uhr ging es los. Allein die Anziehzeremonie war schon spannend… Zuerst die geeignete Kleidung finden, denn es war leicht kühl und hätte jederzeit regnen können. Wir hatten aber während des Tages richtig Glück mit dem Wetter, zeitweise kam sogar die Sonne raus.

Ich trug also ein schwarzes Kleid, halterlose Strümpfe und feste Schuhe, da drüber eine flauschige braune Jacke, außen Kunstwildleder, innen Kunstpelzbesatz.

Dann ging es an mein Ponyequipment: Gummihufe, mit abgeschlossenen Handfesseln fixiert, über den Kopf Zaumzeug mit Beißstange, Scheuklappen und Ponyöhrchen. Mmmmh, das sah heiß aus! Und dann ab nach draußen…

…wo uns schon die erste Herausforderung begegnete: Da nämlich „Happy Cadaver“ war, kam uns sogleich ein Priester mit seinem Fronleichnamsgefolge entgegen, sobald wir aus der Haustür waren! Also bogen wir sogleich in die andere Richtung ab, nur um auch noch unmittelbar einem Polizeiauto zu begegnen. Die Beamten staunten nicht schlecht, nee, anders… sie starrten uns regelrecht nach.

Unser Glück war, durch die Erwartung des Prozessionsumzugs hatten wir viel Publikum durch alle Straßen, durch die wir in der nächsten Zeit noch kamen, bis wir schließlich den Park erreichten. Weiter zum Rheinufer, um über die Brücke nach Baden-Württemberg, genauer Mannheim, zu gelangen.

Kaum waren wir auf der anderen Seite, fiel uns schon auf, dass die Reaktionen der Passanten ganz anders waren als noch in Ludwigshafen… Größtenteils Ignoranz. Was uns allerdings nicht großartig störte, wir genossen zusammen den Park, der später sogar zu einem Wald wurde (Naturschutzgebiet). In dem Wald gab es sogar richtige Pferdewege, wobei das Pferd in mir richtig Spaß hatte, durch den größten Matsch laufen zu dürfen. Zumindest den größten Matsch, den mir meine Pferdetrainerin erlaubte. Lady Sabine war ausgezeichnet in dieser Rolle, zumal es noch dazu ihr Debüt war. Wir sind unterwegs sogar noch richtigen Pferden begegnet, erst im Wald zwei, die eine Kutsche zogen, danach noch viele bei einem Reitstall.

Und beim Reitstall haben wir dann doch einen kleinen Faut-pas gemacht… Als die Trainerin mich reinführte, damit sie endlich mal auf’s Klo konnte, war soweit noch alles in Ordnung: Jeder, der uns begegnete, lächelte, zumindest, was ich mit meinen Scheuklappen sehen konnte, uns nett an. Doch als wir drinnen waren, küssten wir uns zärtlich, nachdem mir Lady Sabine die Beißstange rausnahm… Kinder, die vorher noch dachten „welch ein süßes Pony!“, hätten also leicht befremdlich denken können: „ähm, das Pony wird auf den Mund geküsst?“. Dazu kam noch eine Reitlehrerin, die uns direkt ansprach, ob wir noch was vorhätten, „soll das hier noch was Größeres werden? Ich bitte Sie, zu gehen. Hier sind Kinder! Wir sind hier ein Reitstall und nicht ein… was-weiß-ich-was… Das ist ja seeeehr WITZIG!“… Na gut, ich wartete ein paar Minütchen alleine, bis die Lady wiederkam.

Dann gingen wir zur Tramhaltestelle, um ein paar Stationen bis zum Hbf zu fahren. Mit meinen Scheuklappen hatte ich nur die Aussicht zur Seite raus (Lady Sabine hielt mir die Zügel kurz, dass ich den Kopf weder nach links noch nach rechts wenden konnte!), ich musste mich gut hinstellen, damit ich durch die Anfahrten nicht versehentlich umkippte.

Am Bahnhof angekommen gingen wir noch eine Weile, bis wir die Wohnung eines Bekannten erreichten. Genau rechtzeitig, denn draußen fiel schon der erste Regen. Bis dahin waren wir schon drei Stunden unterwegs und ich konnte von dort meinen gestrigen Blogeintrag schreiben.

Spannend war für mich der Schlupf aus der Rolle und, nach der ausgiebigen Pause wieder der Schlupf zurück in die Rolle. Ich muss gestehen, ich könnte mich richtig dran gewöhnen, öfter solche außergewöhnlichen Spaziergänge zu haben. Abends haben wir mal grob nachgerechnet und bemerkt, dass wir wohl doch eine gute Strecke von 25 Kilometern zurückgelegt haben dürften! So macht Sport Spaß! Ich finde es persönlich auch merkwürdig, dass Ponyplay eigentlich nur eine klitzekleine Nische im BDSM ist, denn wann kann man denn sonst stundenlang in der Öffentlichkeit einen Knebel (Und sei es „nur“ eine Beißstange) tragen, ohne groß unangenehm aufzufallen? Die Kinder haben sich jedenfalls meist über meinen Anblick gefreut, vereinzelt wurde ich sogar gestreichelt.

Der Rückweg war noch einmal richtig schön unterhaltsam, denn nun ging es quer durch die Fußgängerzone Mannheims. Mittlerweile war die Stadt richtig voll, uns begegneten alle möglichen Arten von Reaktionen bei Jung wie Alt. Es gab vier Varianten von Reaktionen: echtes Interesse und Neugierde, Freude, Ignoranz und ganz eindeutige Ablehnung und Beschimpfung. Wobei Letzteres eher selten vorkam. Die meisten haben sich gefreut oder waren zumindest offen neugierig, also wieder ein komplett anderes Gesamtbild als vorher im Park.

Wir kamen noch durch das Künstlerviertel Mannheims, wo uns zwei Jungs auf ihrem Fahrrad eine ganze Weile begleiteten und total fasziniert waren auf das Pony. Sie streichelten mich sogar und mein „Kunstfell“. Wir kamen auch bei der Kneipe vorbei, die früher als Fetischrestaurant bekannt war unter dem Namen „Why not?“. Kurz wurden wir sogar freundlich aufgehalten von einer Gruppe jüngerer und älterer Italiener, alles Männer, die richtig gierig danach waren, unbedingt noch ein Bild von mir zu machen mit ihren Handys.

Danach ging es auf die Brücke zurück nach Ludwigshafen. Die Sonne kam noch einmal richtig raus und wir haben noch zweidrei schöne Fotos von mir gemacht, die leider etwas dunkel geraten sind. Aber es werden ja nicht die letzten Bilder gewesen sein…

Ah, endlich kühler Schatten!

Auf der Brücke, die Mannheim mit Ludwigshafen verbindet…

 

..., wo ich mich richtig schön präsentiere. Leider vom Licht her ungünstig zum photographieren.

…, wo ich mich richtig schön präsentiere. Leider vom Licht her ungünstig zum photographieren.

In LU führte mich die Trainerin noch zu einem Biergarten. Ich stand ganz brav neben dem Stuhl, in dem Lady Sabine Platz nahm um sich ein Weizenbier zu gönnen. Für mich gab es „nur“ eine Karotte und die Bedienung brachte sogar ein Hundenapf voll Wasser, woraus ich natürlich nicht getrunken habe, denn ich bin ja schließlich ein Pony, kein Hund! Eine andere Bedienung wollte ein Photo von mir machen mit seinem Handy und war im Begriff, mich zu fragen, ob ich das erlauben würde. Sogleich fiel die Bedienung, die mir den Napf brachte, ihm ein mit den Worten: „Das musst du dann schon die Herrin des Ponys fragen. Ich kenn mich da nämlich ein wenig aus!“

Zusätzlich kamen immer vereinzelt noch weitere neugierige Menschen, die mich fotografieren wollten, teilweise auch Kinder. Merkwürdigerweise aber ausschließlich nur Männer. Doch auch unter den Männern gab es viele, die unsere Situation nur vom Weiten beobachteten, weil sie angeblich, so ihre Ausrufe, Angst vor mir hätten. Oder doch mehr vor meiner Trainerin? Wer weiß das schon…

Am Schluss kamen wir also nach einem ausgedehnten Spaziergang von insgesamt 5 1/2 Stunden, die längere Pause nicht mitgerechnet, wieder zu Hause in der Wohnung der Lady an. Und waren beide suuuuuuperglücklich! Es hat uns eine Menge Spaß gemacht und wird sicherlich nicht das letzte Mal gewesen sein.

Alles Liebe,

Josephine

P.S.: Als Bonus noch der Eindruck von Lady Sabine in ihren eigenen Worten:

„Obwohl ich große Vorbehalte dieser Art des Spiels vorher hatte, da ich dachte, ich wäre ganz einsam nur mit meinem Pony, hat es mich gelehrt, dass die Aufmerksamkeit, die wir bekamen, mehr war wie die, wenn ich mit einer Freundin spazieren gehe. Die Aufgabe, mein Pony zu schützen und zu lenken, sowie auf die Menschen, die wir trafen, einzugehen, erfüllte mich total! Die meiste Zeit lächelte ich oder brach sogar in schallendes Gelächter aus, da mir klar wurde, wie man mit so wenig Equipment so viel bewirken kann. Es war auch sehr schön, von bestimmten frechen Typen herausgefordert zu werden und cool zu bleiben.

Die Situation in der Straßenbahn empfand ich energetisch sehr schwierig. Es war geballte negative Power, wo ich besonders das Gefühl hatte, mein Pony mehr beschützen zu müssen. Ich denke, es war die Situation nicht in Bewegung sein zu können, dem Umfeld ausgesetzt ohne Fluchtmöglichkeit.

Der Ausritt an sich war wunderschön und facettenreich, da einmal Stadt, einmal Wald… den Biergarten am Schluss hätte ich eigentlich gar nicht mehr gebraucht, aber ich wollte noch einmal entspannt gemütlich draußen sitzen, rauchen und mich selbst belohnen. Dort hat mich ein völlig stoneder Typ übelst angebaggert, den ich aber ganz gut in seine Schranken weisen konnte. Aus dem Inneren des Restaurants kam dann noch ein interessanter Mann, der nicht nur nach einem Photo fragte, sondern auch den Hintergrund des Spiels erfahren wollte und mir berichtete, dass ihm eine solche Art des Rollenspiels auf der Mangamesse schon einmal begegnet ist. Seine Ernsthaftigkeit gefiel mir sehr.

Das letzte Stück bis nach Hause gingen wir durch einen kleinen Park, in dem einige Kinder spielten und Fahrrad fuhren. Dort wurde ich von einem etwa 10-jährigen Jungen übelst beschimpft („Fickst du deine Mutter?“), der auch versucht hat, mich zu bespucken. Wäre mir das früher auf dem Spaziergang passiert, ich hätte mich mit ihm wohl angelegt, so aber ging ich eher ignorant damit um.

Alles in Allem war es eine schöne Erfahrung. Und ich freue mich schon auf den nächsten Ausritt!

Eure Lady Sabine“

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