Ponyplay, die zweite, oder: Gab es im Mittelalter etwa keine Pferde?

Gestern war es wieder soweit: das Wetter versprach schön zu werden und ich war immer noch bei Lady Sabine zu Besuch. Also entschied sie, mich erneut als Pony auszuführen. Dieses Mal soll es auf den Mittelaltermarkt in Worms gehen. Nachdem sie mich also ins Ponyoutfit verschlossen hatte, entschied sie, die Schlüssel für die Schlösser daheim zu lassen. Ich war also für die Dauer des „Ausritts“ ihr auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, was mir eine wohlige Erregung verursachte.

Insgesamt dauerte der Ausritt auch wieder 5 1/2 Stunden, war dieses Mal aber dennoch um einiges anstrengender, denn Sonntags auf dem Mittelaltermarkt war so viel los, dass man nur sehr langsam vorwärts kam. Ein normales Spazierengehen in angenehmer Geschwindigkeit war also nicht möglich und ich musste aufgrund der Langsamkeit und den Repräsentationszwecken vor so vielen Menschen natürlich erst recht meine Beine richtig schön hoch nehmen. Auch hatten wir nicht, wie am Donnerstag, eine Pause vom Ponyspiel, zwar hockten wir eine Weile auf einem Hügel zur Einnahme von Essen und Trinken (Bier und belegte Brote für die Trainerin (so vermute ich zumindest, genau konnte ich es mit meinen Scheuklappen nicht sehen), Wasser, Erdbeeren und Champignons für mich), doch wir beendeten ja nicht völlig das Rollenspiel damit.

Die Reaktionen der Leute waren auch wieder anders als am Donnerstag. Das lag wahrscheinlich an der Tatsache, dass gerade sonntags viele Familien unterwegs waren. Am Eingang gab es auch unterschiedliche Eintrittskartenpreise, je nachdem, ob man passend gekleidet war (3€) oder in normaler oder nicht zum Mittelalter passenden Gewandung kam (5€). Jedenfalls war es für die Leute an der Kasse klar, ich kriege das schwarze Eintritts-Bändchen für 3€, meiner Trainerin wollten sie aber erst beinahe 5€ abknöpfen. Doch sie wies von selber noch auf die Kleidungsstücke, die sie berechtigten, den geringeren Preis zahlen zu dürfen, dann musste sie doch kein rotes Bändchen akzeptieren. Außerdem war ich das einzige Pony weit und breit, es gab auch keine echten Pferde.

Eine Merkwürdigkeit ergab sich noch. Ständig sprachen mehrere Leute hintereinander weg mich als Pony an, anstatt mit der Trainerin zu sprechen. Was Sabine natürlich auch ein wenig annervte, aber später relativierte es sich dann doch wieder und die Menschen sprachen mit ihr anstatt mit mir. Anscheinend hat sie aber kurz auch mal Kinder verschreckt, die mich wohl nur ganz lieb fragen wollten, warum ich denn Frauenkleider tragen würde. Sie wies die Kinder darauf hin, dass Ponies nicht reden können aber gerne ihre Fragen an sie stellen könnten. Doch da waren die Kinder schon zu sehr eingeschüchtert, dass sie sich das nicht mehr trauten.

Bei unserer kleinen Rast auf dem Hügel hatten wir auch Blick auf die Hauptbühne, wo Roadies für Saltatio Mortis gerade den Soundcheck machten. Ihr Konzert war allerdings erst für den Abend geplant, da waren wir schon wieder zu Hause. Interessant ist ja auch das Bühnenzeichen der Band: Ein mittelalterlich geschwungen geschriebenes „SM“.

Als Lady Sabine Getränke holen war, wurde sie noch von einer Frau, die an einem der vielen Bierbänke saß, angesprochen: „Ist das hier SM im Mittelalter? Also, ich würde ja sowas wie dieses Pony nicht stundenlang machen wollen!“ Dabei schwang ein Ton des Missfallens mit. Schade, dass einem nicht immer gleich eine schlagfertige Antwort einfällt. Jedenfalls dachte ich bei mir später, wenn ich in so eine Situation kommen würde, würde ich sagen: „SM? Nein, wir sind nicht von Saltatio Mortis, wieso?“

So gegen 16 Uhr haben wir uns dann doch auf den Heimweg gemacht und sind, anders als auf dem Hinweg, den kompletten Weg vom Markt bis zum Hbf zu Fuß gegangen. So langsam spürte ich auch die große Erschöpfung und die Anstrengung vom vielen Arme hochhalten und Beine hochziehen. Dazu kam noch, dass mir die Trainerin noch einmal meine gefütterte Jacke anzog und mir dann durch warmes sonniges Wetter zusätzlich eingeheizt wurde.

Die Bahnfahrten waren auch weniger nervenaufreibend als die Tramfahrt am Donnerstag. Und als wir dann wieder zurück in Ludwigshafen waren, durfte ich in dortiger Fußgängerzone vor einer kleinen Menschenmenge, die vor einem Lokal an Tischen saß, noch einmal mich präsentieren mit Schaulauf. Als mich die Trainerin für die 180° Drehung rumriss, konnte ich es auch nicht verhindern, dass ein Speichelfaden meinen Mund verlies. Entsprechend hörte man ein allgemeines „Iiiiiiih!“ bei meinen Zuschauern. Es gab aber keine Verletzten, soviel ich mitbekam.

Soweit mein zweiter Ponyplaytag. Danach war ich richtig erschöpft, was man auch auf den Photos sehen kann.

Wiiiieher!!!

Ich als Pony „Flocke“ auf dem Mittelaltermarkt in Worms

nom nom...

„Flocke“ macht Rast bei Wasser und Erdbeeren…

Bis dahin und natürlich noch bis zu weiteren Beiträgen, alles Liebe,

Josephine

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