Frustschieber… oder: wie man es NICHT macht

Es ist drei Uhr morgens. Eigentlich sollte ich schlafen, da ich die ganzen letzten Nächte nur wenig Schlaf hatte. Doch ich schiebe Frust, und der hat mich sogar aufgeweckt. Also versuche ich, durch das Schreiben mir meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Na gut, ich muss zugeben, ich habe es wohl verdient: Wer topping-from-the-bottom betreibt, hat es nunmal nicht anders gewollt, als dass rein gar nichts passiert. Mein Schicksal bisher war nur, selbst wenn ich nicht gequengelt und gebettelt habe, ist auch nichts passiert… Aber bevor ich weiter in Rätseln spreche, das Ganze noch einmal von vorn:

Gestern sind wir, meine Herrschaft und ich, zurück nach Hause von München nach Heidelberg gefahren. Wir waren dieses Wochenende auf der Boundcon X. Während der Rückfahrt befiehlt mir die Herrin, dass ich über Nacht meinen Lycracatsuit zu tragen habe, da ich den zwar eingepackt aber nicht eine einzige Minute auf der Boundcon getragen hatte. Nun gut, dachte ich bei mir, Catsuit über nacht habe ich schon oft genug getragen, das klingt noch nicht besonders aufregend. Doch was mache ich, ich Trottel? Ich muss natürlich noch nachfragen, ob ich zusätzlich noch die aufblasbaren Ballfäustlinge tragen dürfte. O-oh, oh je, was soll man als Herrin anderes darauf antworten als „das müssen wir uns noch sehr gut überlegen…“.

Hm. Ja und dann, abends, nach dem ich wie befohlen den Lycra angezogen hatte und auch schon gute Nacht gesagt habe, konnte ich es mir nicht nehmen lassen, von meinem Zimmer aus die Herrin über skype noch einmal anzuschreiben, dass ich alles erledigt hätte und insofern meine Hände für die nächsten Stunde nicht mehr bräuchte. Was hat mich nur geritten? Schon wieder in ein riesen Fettnäpfchen gesetzt! Die zu erwartende Antwort war natürlich, dass ich zu viel betteln würde und daher natürlich erst recht NICHT die Ballons verpasst kriege. Dass ich schlafen solle und gefälligst aufhören zu quengeln.

Gut, die praxiserfahrenen Leser unter euch werden sicherlich nur den Kopf schütteln aufgrund dieses schon fast peinlichen Anfängerfehlers, den ich begangen habe. Doch vielleicht ist das Ganze verständlicher, wenn ich zu meiner Entschuldigung noch erkläre, dass ich nächteweise, also quasi als Dauerzustand, keine Aufmerksamkeit in der Nacht erhalten habe. Und zusätzlich durfte ich auch noch erfahren, dass meine Herrin sehr wohl mich des öfteren in Fesseln gelegt hätte für die Nacht, doch die ausführende Kraft, also ihr Freund, sich aus depressiven Verstimmungsgründen nicht aufraffen konnte, ihre Anweisungen auszuführen. Sie selber kann mich ja nicht fesseln, sie ist ja Rollstuhlfahrerin der höchsten Pflegestufe. ich bin also in einem großen Dilemma: egal, ob ich bettel, quengle oder einfach nur brav bin: es passiert einfach NICHTS! Vielleicht ist das einfach der Grund, dass ich anfange zu betteln. Denn dann weiß ich wenigstens, warum nichts geschieht. Wenn ich es nicht tue, dann kann ich ja nur mutmaßen oder Wut gegenüber dem Herrn empfinden, was mir auch wieder Leid tut, denn ich weiß selber, wie schwer Depressionen einem das Leben zur Hölle machen können. Doch was habe ich davon? Eine extrem frustrierende Kombi also: Sie will, kann aber nicht. Er kann, will aber nicht. Und ich bin das ewig geschonte Opfer.

Und nun sitze ich hier und schiebe Frust und Wut auf mich selber. ich will so gerne lieb sein und sabotiere mich mittlerweile sogar selbst, nur damit ich wirklich weiß, warum es mir so schlecht ergeht. Färbt etwa die Depression des Herrn schon auf mich ab? Oh je, das wäre ja furchtbar… Wobei, bei dem ganzen Schrott, den ich täglich miterleben muss (Dauerberieselung des Herrn durch Fernsehen, Computer und Dauerdaddeln; nicht in die Gänge kommen seinerseits, was persönliche Weiterentwicklung angeht; Tagträumerei von diversen Zielen, die dann doch nicht umgesetzt werden; den Willen, was verändern zu wollen, nur um dann doch wieder jeden Tag das alte Verhalten an den Tag zu legen…), sowas geht nicht spurlos an mir vorbei. Dazu kommt noch, die Wohnung ist hier so klein, dass mir nichts anderes übrig bleibt, seine Launen und sein Verhalten zu ertragen. Ständig läuft der Fernseher, sogar wenn es gerade wichtige Dinge zu erledigen gibt. Und jede einzelne Handlung wird davon gelähmt, ich bemerke sogar bei mir selbst Konzentrationsschwierigkeiten im Tun, weil ich gar keinen klaren Gedanken fassen kann durch den nervigen Lärm des TV. Schlechte Fernsehbeiträge, schlechte Schauspielerei, nervige Synchronisation (ich weiß schon, warum ich persönlich Filme nur in der Originalsprache gucken will!), Werbung, lustloses rumzappen… Der Fernseher läuft und läuft und läuft… Es ist wirklich egal, was gerade kommt. Eigentlich kann mir sein Verhalten ja total egal sein, schließlich kenne ich das ja von mir selber, allerdings war das 10 Jahre her und ich war um einiges Jünger als mein Herr jetzt. Aber es geht ja nicht um ihn, sondern was sein Konsumverhalten, dadurch dass ich ihm nicht aus dem Weg gehen kann, mit mir macht. Okay, ich vergleiche das mal mit nem Kettenraucher: Wenn der ständig im Zimmer rauchen würde und ich müsste dort arbeiten, ich wäre die ganze Zeit dem Passivrauchen ausgesetzt.

So, jetzt aber genug gejammert, ich sollte nun wirklich bald schlafen gehen. Schließlich muss ich jeden Morgen, ob gerade Dienstschicht oder nicht, früh aufstehen um meiner Herrin ihr Frühstück zu machen. Sie hat einen strengen Diätplan der das erfordert, sonst würde das Frühstück wohl eh immer ausfallen, da sie eigentlich keine passionierte Frühstückerin ist. Naja, anscheinend macht es auch ihr Spaß, sich mit Dingen zu quälen die man im Grunde nicht wirklich machen will. Dennoch und trotz all meinem Gejammer, oder vielleicht gerade deswegen, muss ich wirklich sagen: ich habe die beste Herrin der Welt! So, und nun weiß es auch die Welt!

Alles Liebe, eure

josephine

2 Kommentare

  1. Tja liebe Josephine, wenn ich das so durchlese, kann ich nur sagen das dir des davor überlegen hättest sollen … ab und an, du bist wirklich n lieber Mensch, aber ab und an frag ich mich echt ob da ned ab und an in deinem Verstand es gewisse Aussetzer hat. Da suchst dir ne Herrin die zwar n lieber Mensch ist, aber im Rollstuhl sitzt und bis aufs gepflegt werden zu nix zu gebrauchen ist, dann hat die nen Freund der n Couch Potatoe ist und die ganze Zeit vor PC und Fernseher sitzt, dann lebst mit denen inner Bude die viel zu klein ist, und erwartest jetzt auch noch das die sich mit dir abgeben, die perverseste Mischung ever….

    Sorry aber was diese Wahl angeht gehört dir links und rechts ne Watschn gegeben, du kennst doch die Leute ned seit gestern, oder einem Tag, wirst doch wohl da schon mal zu Besuch gewesen sein für paar Tage um im Vorfeld dir schon mal n Feeling geholt zu haben wie es da denn sein könnte wenn du dort mal einziehen wirst, oder hast des etwa alles nicht getan? Falls die Antwort mit JA beantworten kannst, dann ist dir echt ned zu helfen….

    Liebe Grüsse aus München

    s-twentynine

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